Mit dem ersten internationalen Jugendmusikfestival Ende Juni in Burladingen ist auch die landesweite Imagekampagne der Bläserjugend Baden-Württemberg (BJBW) an den Start gegangen. Was verbirgt sich hinter der Kampagne? Welche Ziele verfolgt sie? Welche Vorteile haben die einzelnen Vereine von ihr zu erwarten? Wir wollten es genau wissen und sprachen mit Landesvorsitzendem Herbert Pfister, Geschäftsführer Georg Lernbaß und Pressesprecher Markus Lutz über den geplanten Imagewandel der Jugendorganisation.
Forte: Was sind die Beweggründe für einen Imagewechsel bei der BJBW? Handelt es sich beim größten Jugendmusikverband in Baden-Württemberg etwa um eine verstaubte Organisation?
Pfister: Dies kann mit einem klaren »Nein« beantwortet werden. Die Idee mit einer landesweiten Kampagne einen Imagewechsel einzuleiten, lässt sich auf eine verzerrte Wahrnehmung in der Gesellschaft zurückführen. Der Laien- und vor allem der Blasmusik haftet in der Öffentlichkeit immer noch viel zu häufig das Image eines dilettantischen Herrenclubs an, der das Bierzeltrepertoire pflegt. Dieses Image trifft aber bei weitem nicht die Realität der musikalischen Vielfalt, die in unseren Jugendorchestern des Landes vorherrscht. Dieses Negativ-Image schreckt nach unserer Ansicht viele Jugendliche vor einer musikalischen Ausbildung und dem gemeinsamen Musizieren im heimischen Musikverein ab. Die Imagekampagne soll daher bei Jugendlichen Vorurteile gegen die Blasmusik abbauen und zeigen, dass diese sich beileibe nicht in der Pflege der Tradition erschöpft, sondern ein weitaus größeres musikalisches Spektrum abdeckt, als mancher ihrer Verächter ahnt.
Lutz: In unserer heutigen Gesellschaft, in der sich für die Jugendlichen bei ihrer Freizeitgestaltung eine Fülle von Möglichkeiten bietet, muss es eine der Hauptaufgaben der Bläserjugend sein, Jugendliche durch einen gezielten Kontakt auf die Vorteile der Jugendausbildung und des gemeinsamen Musizierens in den Musikvereinen aufmerksam zu machen und dafür zu gewinnen. Viele der heute in den professionellen Sinfonieorchestern, Bigbands oder Popbands aktiven Bläser haben ihre musikalische Ausbildung in einem Musikverein genossen. Das Problem liegt also in der Regel nicht darin, dass die für eine professionelle musikalische Ausbildung benötigte Infrastruktur und Rahmenbedingungen in den Musikvereinen und der BJBW fehlt, sondern dass für die sich in einem Verein und der BJBW bietenden Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung in der Öffentlichkeit nicht oder nur selten geworben wird. Diesem Problem möchte sich die BJBW durch ihre Kampagne annehmen.
Forte: Mit »Erlebe den anderen Klang« und »Gib Dir den Kick mit Bläsermusik« geht die BJBW gleich mit zwei Leitsprüchen an die Öffentlichkeit. Konnten Sie sich im Vorstand nicht auf einen einheitlichen Leitsatz einigen?
Lernbaß: Im Gegenteil. Wir haben uns ganz bewusst für zwei Imagesprüche entschieden. Die Idee mit zwei unterschiedlichen Leitsprüchen zu arbeiten, ermöglicht einen flexiblen, dem Anlass entsprechend und auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmten Einsatz. Je nach Veranstaltung kann somit auf den einen oder anderen Leitspruch zurückgegriffen werden. Darüber hinaus bieten sich für unsere Mitglieder ebenfalls breitere Möglichkeiten in ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit. Am Rande sei erwähnt, dass auch die Deutsche Sportjugend bei ihrer Imagekampagne vor einigen Jahren erfolgreich mit mehreren Leitsprüchen gearbeitet hat.
Forte: Seit dem Start der Kampagne konnten bereits zwei prominente Persönlichkeiten für den Imagewechsel gewonnen werden? Was hat es mit den so genannten Patenschaften auf sich und welche Unterstützung erhofft sich die BJBW dadurch?
Lernbaß: Wie sie gerade angesprochen haben, konnten wir für unsere Kampagne Peter Herbolzheimer, den Leiter des Bundesjugendjazzorchesters (BuJazzO) und seine Durchlaucht Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern für unsere Sache gewinnen. Sie sind als professionelle Musiker genau so wie wir von der Notwendigkeit einer derartigen Kampagne überzeugt und werden diese daher mit ihrem Namen unterstützen und immer wieder in die öffentliche Diskussion einbringen.
Forte: Um damit die öffentliche Wahrnehmung der Kampagne zu erhöhen?
Lutz: Exakt. Wenn sie in der heutigen Zeit mit solch einer Kampagne in der breiten Öffentlichkeit und vor allem auch von den Medien wahrgenommen werden wollen, benötigen sie die Unterstützung von angesehenen Persönlichkeiten des öffentlichen und musikalisch-kulturellen Lebens. Darüber hinaus sind wir zurzeit in Gesprächen mit weiteren Persönlichkeiten des Musik- und Kulturlebens um diese ebenfalls für eine Patenschaft zu gewinnen. Die Ergebnisse teilen wir ihnen natürlich rechtzeitig mit.
Forte: Und weitere Unterstützung erhofft man sich durch die Kooperation mit der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV)?
Lutz: Sie sprechen davon, dass die BJBW-Kampagne seit kurzem auch als offizielle Jugendkampagne in der BDMV gilt?
Forte: Genau davon.
Lutz: Durch die Kooperation mit der BDMV bekommt die Kampagne natürlich nochmals einen ganz anderen Stellenwert. Sie erlangt eine bundesweite Dimension. Bisher gibt es in den anderen Landesverbänden keine vergleichbare Jugendkampagne. Somit bot sich für uns die Möglichkeit mit unserer innovativen Idee auch deutschlandweit beispielhaft voranzugehen. Dennoch bleibt sie im Kern eine Landeskampagne, die durch einzelne gezielte Aktionen auch bundesweit wahrgenommen werden soll. Durch die Bündelung unserer Kräfte wollen wir verstärkt Menschen der unterschiedlichen Altersschichten für die gemeinsame Sache gewinnen.
Forte: Das ist ja alles schön und gut. Aber handelt es sich denn dann bei der Kampagne nicht lediglich wieder um eine der Art, die sich nur auf der Verbands- oder politischen Ebene abspielt und die Bedürfnisse und Anliegen der einzelnen Vereine außer Acht lässt? Kurz: Welche Vorteile bietet die Kampagne für die Arbeit des einzelnen Musikvereins?
Pfister: Gerade das soll unsere Kampagne nicht darstellen. Solch eine groß angelegte Kampagne kann natürlich nur dann den gewünschten Erfolg für uns alle bringen, wenn die Verantwortlichen in den Kreisverbänden und Vereinen auch hinter dem Imagewandel stehen, diesen in Ihre Verbände und Vereine tragen und nach außen offen propagieren. Dies tun sie jedoch nur dann, wenn sie auch einen »benefit« aus der Kampagne für ihre eigene Vereinsarbeit ziehen können. Und genau hier liegt das eigentliche Hauptanliegen unserer Kampagne. Wir möchten mit ihr unseren Mitgliedern ein Servicepaket an die Hand geben, von welchem sie bei ihrer eigenen Arbeit profitieren können.
Forte: Und wie soll das genau aussehen?
Lutz: Stellvertretend lassen sich hier unsere „Medien-Mappen“ nennen, welche die BJBW in Kooperation mit dem Blasmusikverband Baden-Württemberg für ihre Mitglieder erstellen wird. Die Mappen sollen den Vereinen als Praxishandbuch dienen, versehen mit nützlichen Tipps zur Presse- und Marketingarbeit von externen Medienprofis, Vordrucken und Arbeitsvorlagen zur Unterstützung und zum Einsatz in der eigenen Öffentlichkeits- und Jugendarbeit, sowie Argumentationshilfen für die Ausbildung im Musikverein….
Lernbaß: ….daneben können die Mitglieder die beiden Logos der Imagekampagne für den Einsatz in der vereinseigenen Image- und Öffentlichkeitsarbeit kostenlos bei der BJBW beziehen und für die eigene Arbeit individualisieren.
Forte: Was heißt Individualisieren?
Pfister: Individualisieren bedeutet, dass die Vereine die Möglichkeit erhalten die Logos auf ihre speziellen Bedürfnisse anzupassen. Möchte ein Verein beispielsweise für sein Jugendorchester T-Shirts mit einem Imagelogo drucken lassen, so erhält er die Möglichkeit das Imagelogo samt Leitsatz zu übernehmen und zusätzlich mit seinem eigenen Vereinslogo oder -namen zu versehen. Unter dem Imagelogo könnte somit beispielsweise stehen: »Eine Kooperation der Bläserjugend Baden-Württemberg und des Musikvereins XY. «
Lernbaß: Darüber hinaus können die einzelnen Vereine auch ihre eigenen Veranstaltungen unter das gemeinsame Motto stellen. Bei Interesse werden wir Blankoplakate und Transparente mit den einheitlichen Logos zur Verfügung stellen.
Forte: Wie ist die bisherige Resonanz auf die Imagekampagne?
Lernbaß: Bei unseren bisherigen Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne, wie beispielsweise dem Jugendmusikfestival oder unserem Auftritt auf der Messe „Popkomm“ Ende September, haben wir von der Öffentlichkeit und den Medien eine durchweg positive Rückmeldung erhalten.
Forte: Und aus den Reihen ihrer Mitglieder?
Lernbaß: Auch aus einzelnen Kreisverbänden und Vereinen liegen uns bereits konkrete Anfragen und Anregungen zur Kampagne vor. Das zeigt uns, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und auch bei unseren Mitgliedern ein Interesse an solch einer gemeinsamen Kampagne vorhanden ist. Daraus ziehen wir die Kraft, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Und genau so stellen wir uns das ja auch vor: Nur wenn wir mit unseren Mitgliedern gemeinsam den Weg des Imagewandels gehen, diese sich aktiv an der gemeinsamen Imageverbesserung beteiligen und die Kampagne mit eigenen Vorschlägen und Aktionen bereichern, kann diese den gewünschten Erfolg für uns alle bringen.
Forte: Wie lange soll die Kampagne andauern?
Lutz: Aktionen und Veranstaltungen zur Imagekampagne sind zunächst bis zum nächsten Jugendmusikfestival im Jahr 2008 vorgesehen. Das neue Image soll und kann aber insgesamt nur etwas Zeitloses darstellen, das sich langsam und schrittweise entwickeln muss und meines Erachtens auch wird. Auch nach 2008 muss es Aufgabe der BJBW, seiner Kreisverbände und Vereine sein, dass neue Image immer wieder aufs Neue in öffentliche Diskussionen einzubringen und es somit am Leben zu erhalten. Die Imageverbesserung sollte als kontinuierlicher Lernprozess verstanden werden, in dem die Kampagne die erste große Aktion darstellt.
Forte: Vielen Dank für das informative Gespräch und viel Erfolg und Kraft für ihre Kampagne.
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